Abteilung Kegeln

Kegeln gehört zu den geselligsten Sportarten, die man sich vorstellen kann. In der Vergangenheit und Gegenwart oftmals als Kneipensport verrufen, spiegelt dieses Bild heutzutage eine falsche Realität wider. Angefangen von der Kreis- bis hin zur Bundesebene werden in verschiedensten Kegeldisziplinen regelmäßig Wettkämpfe ausgespielt. Sogar eine Champions League oder Europa- und Weltmeisterschaften werden ausgetragen. Anstelle von Spaßspielen, die man vom Kneipenstammtisch, Geburtstagen oder Weihnachtsfeiern kennt, werden in den Wettkämpfen ausschließlich taktisch anspruchsvolle Wurfsysteme genutzt, so bspw. das internationale 120-Wurfsystem.

Internationales 120-Wurfsystem. © Deutscher Keglerbund Classic e. V.

Die Abteilung Kegeln des Lößnitzer SV 1847 geht auf traditionsreiche Kegelvereine aus der idyllischen Bergstadt Lößnitz zurück. In den Reihen der Abteilung existieren aktive Jugend-, Männer-, Frauen- sowie Seniorenmannschaften. Aus der erzgebirgischen Kegelsphäre ist Lößnitz nur noch schwer wegzudenken, zumal im Namen des Vereines zahlreiche Erfolge errungen werden konnten. Darunter befinden sich von der Kreis- bis zur Landesebene Einzel-, Mannschafts- und Paarkampfmeister, als auch Pokalsiege sowie Teilnahmen an den Meisterschaften der DDR und BRD.

Von der Jahrhundertwende bis zum Krieg

Lößnitz ist eine der ältesten Städte des Erzgebirge und heute noch stark mit bergmännischen Traditionen und erzgebirgischem Brauchtum verbunden. So wundert es auch nicht, dass der Kegelsport in Lößnitz eine sehr lange Tradition vorweisen kann. Bereits um 1900 gab es in der Bergstadt zahlreiche Kegelbahnen, welche im „Gaststättenführer von Lößnitz“ erwähnt wurden. Aufgeführt ist dort auch die 1-Bahnanlage im Gartenheim Erholung an der Schneeberger Straße – die ehemalige Spielstätte der Lößnitzer Kegler. Zur damaligen Zeit galt es auch als nichts Außergewöhnliches, dass die Kegel von Kinderhand wieder aufgestellt wurden. Der am 3. Oktober 1924 gegründete Kegelklub Simson gilt als erster Kegelverein in Lößnitz. Der Lößnitzer SV 1847 betrachtet diesen jedoch nicht als seinen Gründungsverein, sondern vielmehr als dessen Wegbereiter.

Kegelklub Simson. © Lößnitzer SV 1847 e. V.
Wimpel des Kegelklubs Simson. © Lößnitzer SV 1847 e. V.
Keglerverband Lößnitz im Erzgebirge. © Lößnitzer SV 1847 e. V.
Banner des Keglerverbandes Lößnitz im Erzgebirge. © Lößnitzer SV 1847 e. V.

Für das offizielle Gründungsdatum wird stattdessen die Bannerweihe des Keglerverbandes Lößnitz im Erzgebirge am 3. Juli 1932 herangezogen. Als erstes Relikt repräsentiert das Banner noch bis heute unseren Verein mit all seiner Tradition, Leidenschaft und Erfolgen. Mit Beginn des 2. Weltkrieges bestand auch für die Lößnitzer Kegler ein Vereinsverbot und damit ein vorübergehendes Ende des aktiven Kegelsports in der Region. Das Banner des Keglerverbandes wurde von einem Sportfreund sicher in einem Holzstapel versteckt und damit gerettet. Erst 1998 wurde dieses vollkommen verwittert wiederentdeckt. Für einen Geldbetrag im vierstelligen Bereich hat man es daraufhin originalgetreu und mit jeder Menge Liebe zum Detail rekonstruieren lassen. Heute ist das historische Banner auf der Kegelbahn in der Erzgebirgshalle Lößnitz zu finden.

Die Nachkriegszeit und der Mauerfall

Logo der BSG Motor Lößnitz. © Wikipedia

In der Nachkriegszeit fanden sich einige engagierte Sportfreunde zusammen, die den Kegelsport in Lößnitz erneut aufleben lassen wollten. Unter dem Namen BSG Motor Lößnitz schufen Fußballer und Kegler die Grundlage für erfolgreichen DDR-Breitensport. Mit dem Blechformwerk Bernsbach/Lößnitz als Trägerbetrieb und städtischer Unterstützung war es möglich, dass in den Jahren 1963/64 im Gelände des Stadions an der Talstraße eine 2-Bahnanlage entstand. Diese Asphalt-Kegelbahn wurde zur neuen Heimat der Lößnitzer Kegler und im Jahr 1979 um Kegelstellautomaten erweitert.

Bau der Kegelbahn im Stadion an der Talstraße in den Jahren 1963/64. © Lößnitzer SV 1847 e. V.
Bau der Kegelbahn im Stadion an der Talstraße in den Jahren 1963/64. © Lößnitzer SV 1847 e. V.

Mit der politischen Wende taten sich schwere Zeiten für die BSG Motor Lößnitz auf: Die finanzielle Unterstützung durch den Trägerbetrieb Blechformwerk Bernsbach/Lößnitz war ab sofort aufgrund von wirtschaftlichen Einbrüchen nicht mehr möglich. Infolgedessen wurde die Betriebssportgemeinschaft aufgelöst und zum Jahr 1990 der Lößnitzer SV 1847 als Nachfolgeverein gegründet.

Nachdem die Kegelbahn im „Stadion an der Talstraße“ zu Beginn der 1990er Jahre erhebliche Mängel aufwies, entschloss sich die Stadt Lößnitz eine neue Stellanlage einzubauen. Damals schon bestand die Absicht eine automatische 4-Bahnanlage zu errichten, was mit dem Projekt „Erzgebirgshalle“ in der Ringstraße letztendlich realisiert wurde. Diese dient den Lößnitzer Keglern seit 1996 als moderne Heimspielstätte. Die 2-Bahnanlage im „Stadion an der Talstraße“ unterdessen wird für den Spiel- als auch Freizeitbetrieb nicht mehr genutzt und wurde seither systematisch zurückgebaut.

Lößnitzer SV 1847 e. V. © Lößnitzer SV 1847 e. V.
Wimpel des Lößnitzer SV 1847 e. V. © Lößnitzer SV 1847 e. V.

Ein herzlicher Dank gilt …

… der Stadt Lößnitz für die Bereitstellung der automatischen Kegelsportanlage in der Erzgebirgshalle. Besonders herauszuheben seien hierbei Bürgermeister a. D. Gotthard Troll sowie Bürgermeister Alexander Troll für die sehr gute Zusammenarbeit. Ein besonderer Dank gilt Sportfreund Bernd Reuther, der durch seine 38-jährige ehrenamtliche Arbeit in den Vorständen unseres Vereines sowie der Kreis- und Bezirksverbände nicht nur die verschiedenen Epochen Kegelsports miterlebt hat, sondern vor allem den Lößnitzer SV 1847 federführend weiterentwickelt hat. Selbstverständlich sei auch allen Mitgliedern, Sportfreunden, Sponsoren und Gönnern des Lößnitzer SV 1847 herzlich gedankt für all die geleistete und die zukünftige Arbeit!